Montag, 18. Mai 2020
Wenn man einmal anfängt
Ich bin in Bezug auf die Ästhetik unseres Vorgartens nicht besonders empfindlich. Glücklicherweise leben wir in einer Nachbarschaft, in der ich zumindest noch nicht gehört habe, dass andere sich daran stören. Ich glaube immer, dass viele wissen, dass wir viel zu tun haben und es uns nachsehen, dass bei uns doch recht viel Unkraut und recht wenig Blumen zu sehen sind. Doch seit einigen Tagen (oder sind es schon Wochen) bin ich selbst sehr unzufrieden mit unserem Vorgarten. Was ich im Winter noch tolerieren konnte (wächst halt eh nichts richtig schön), wurde im März dann zunehmend schwierig. Seit einigen Wochen wächst da nämlich leider ziemlich viel. Genauer gesagt ziemlich viel Girsch. Nun hatten wir ja gestern Nachmittag hinten im Garten das ganze Gemüse angepflanzt und dabei hatte ich mit dem Mann schonmal vorsichtig über die Vorgarten gesprochen:
- Der sieht ja ziemlich schlimm aus.
- Ja, müssen wir was machen.
- Aber wann bloß?
- Irgendwann, aber bald.
- Man kann ja in kleinen Etappen anfangen, immer mal ein Quadratmeter.
- Ja, und auf jeden Fall vormittags, da scheint die Sonne da schön drauf.
- Und danach müssen wir es uns irgendwie einfacher machen.
- Rindenmulch
- Nicht grad der Hit für die Umwelt...
- Aber irgendeine Lösung brauchen wir und betonieren wäre schlechter.
- Ja. Mal gucken.

So ungefähr waren wir verblieben. Als ich nun heute morgen nach Ausschlafen und einem gemütlichen Frühstück von der Schule zurückkam (Materialien holen), kam ich wieder durch den Vorgarten. Ich muss zu meiner Ehrenrettung noch sagen: Ich gehe locker 70% der Zeit durch den Hinterausgang, sehe das Drama also gar nicht, weil ich das Fahrrad nehme. Und da schlug ich also glatt vor: Wie wäre es, wenn du dich mit K4 auf die Stufen setzt, mir was erzählst und ich fange mal mit Jäten an. Und wenn ich keine Lust mehr habe, tauschen wir. Und wenn wir dann beide keine Lust mehr haben hören wir auf. Klang machbar und definitiv besser als nichts.
Und dann kam es, wie es kommen musste: Wir kamen in den Flow. Zwischendurch halfen sogar alle Kinder mit, wir schnitten sogar Büsche zurück, harkten alte Blätter raus und waren nach etwa drei Stunden tatsächlich soweit, dass man jetzt Mulch streuen könnte.
Aber für den Baumarkt war es mir dann zu spät, zumal wir auch dafür einen guten Plan brauche: Ich möchte selbst in den Baumarkt, weil ich nach Blumen schauen möchte. Ich kann nicht sagen, welche ich möchte, aber ich bin ganz sicher, dass ich erst zufrieden bin, wenn ich selbst gucken konnte. Den Rindenmulch möchte ich aber nicht selbst aufladen und ins Auto laden. Außerdem freue ich mich, wenn der Mann auch Blumen aussucht, die ihm gefallen. Wir müssen also beide nacheinander in den Baumarkt, im Idealfall aber gemeinsam, dann können wir uns ggf. zwischendurch noch abstimmen und haben am Ende alles (es braucht noch ein paar andere Kleinigkeiten) Zu zweit gehen geht nicht, weil ich K3 nicht zwingen will die ganze Zeit im Wagen zu sitzen, er aber anders nicht zu bändigen ist und K4 mit seinem Windpockengesicht nicht so richtig sozialkompatibel ist.
Also müssen wir schauen, dass wir das morgen oder übermorgen irgendwie hinkriegen, vielleicht mit einer Eispause für die im Auto verbleibenden oder so. Und dann ist der Vorgarten so schick, wie er werden wird und ich werde für den Rest der Saison außer ein paarmal Fegen nichts weiter tun. Hinten ist noch genug Arbeit.
Ansonsten war hier gepflegtes Ausruhen angesagt, bevor wir morgen in die verkürzte Woche starten und das war sehr schön. K3 war morgens schon beim Kinderarzt und ist jetzt verbandfrei. Großartig! Einen Tag haben wir jetzt auch geschafft, an dem er noch nicht draufgefallen ist und kein Dreck reingekommen ist. Jeden Tag den wir schaffen, wird die Haut dicker und die Chance, dass es jetzt wirklich geschafft ist größer. Demnächst gehen wir nochmal zur Wundspezialistin im Krankenhaus und dann wird entschieden, ob es noch eine Kompressionstherapie gibt. Aber für's erste ist die Wundheilung abgeschlossen. Es waren jetzt exakt 60 Tage seit der Verbrühung. Wahnsinn!

Gegessen:
Laugenstange, Reste von K3s Apfeltasche
Maiskolben, Kartoffelspalten, Salat
Geburtstagskuchenreste



Sonntag, 17. Mai 2020
Jetzt leg ich nur noch die Füße hoch
Wenn ich eine normale Arbeitswoche habe, dann läuft die immer auf den Sonntag zu. Dienstag beginne ich normalerweise langsam, mache erste Planungen für den Gottesdienst, daneben aber vor allem längerfristige Planungen und die Dinge, die eben so täglich anfallen. Dann nimmt der Sonntagsgottesdienst von Tag zu Tag mehr Raum ein, bis er dann, je nach meiner eigenen Organisation und den Vorlieben der Mitarbeiter*innen am Freitag oder Samstag Abend fertig ist. Ich habe also immer das Gefühl, alles läuft auf Sonntag 10 Uhr zu, manchmal ist der Berg sehr steil, manchmal läuft es eher gemütlich - aber immer ist es so, dass am Sonntag um 13 Uhr (oder wann auch immer ich die Gemeinde verlasse) der Spannungsbogen plötzlich massiv abfällt. Ich bin dann mittags immer erstmal sehr hungrig und nachmittags sehr müde, mache noch das, was dann noch nötig ist, aber viel wird das arbeitsmäßig nicht. Zu Aktivitäten mit der Familie muss ich mich dann schon sehr aufraffen, abends gibt es eigentlich nicht viel außer Fernsehen oder Puzzeln was ich mental noch schaffe.
Ich arbeite jetzt seit mehr als sechs Jahren als Pastorin, aber ich habe es immer noch nicht besser hingekriegt.
Entsprechend lief der Tag heute auch: Früh aufstehen, schnelles Frühstück und dann mit K1 und 2 zum Gottesdienst. Die beiden durften nämlich bei einem Experiment assistieren. Ich gehe eigentlich immer zu Fuß, mir tut die Luft auf dem Hinweg und der Abstand auf dem Rückweg gut, so auch heute. Zuhause gab es nach dem Mittagessen nur noch gepflegtes Sofaliegen und Videotelefonie mit den Eltern. Inzwischen kriegen die Kinder das echt gut hin, versuchen bewusst, nicht zu viel durcheinander zu reden und zeigen alles, was sie zeigen wollen, direkt in die Kamera.
Dann endlich das, worauf ich seit einigen Wochen schon hingefiebert haben: Die aus der Gärtnerei gelieferten Gemüsepflanzen sollten eingepflanzt werden. Dieses Jahr hatte ich es das erste mal mitgekriegt: Der Bauernhof, der unsere Biokiste liefert, ist verbunden mit einer Gärtnerei und bei der konnte ich sehr einfach Gemüsepflänzchen bestellen, die natürlich etwas teurer als vom Discounter oder als Saatgut waren, aber da ich zum Selbstziehen zu faul und mit den Discounterpflänzchen nicht immer nur glücklich war, war ich gern bereit mehr zu zahlen - und soviel teurer war es auch nicht.
Diese Pflänzchen waren nun also Donnerstag geliefert worden und ich hatte das einpflanzen gleich auf Sonntag verlegt, weil die Nächte vorher doch noch recht kalt werden sollten. Ich hatte mit K1 zusammen ausgesucht und wir hatten wirklich reichlich bestellt und ich war etwas in Sorge, ob der Platz in unserem kleinen Garten reichen würde, aber ich denke, wir haben alles gut untergekriegt: Zwei Sorten Gurke, Paprika, Zucchini, Süßkartoffel, Tomate und Kürbis, dazu noch Aubergine, Peperoni und Kräuter. Salat und Kartoffeln wachsen schon - wenn das alles klappt, steht dem Selbstversorgerleben nichts mehr im Weg. Ich hätte ja gern noch ein paar Hühner, so im Sinne der Selbstversorgung, aber wir mögen unsere Nachbarn sehr und wollen die gute Beziehung nicht auf die Probe stellen. Auch unser Hang zu langen Urlauben spricht nicht unbedingt dafür... Naja, aber die Gemüseversorgung steht zumindest.
Danach war auch schon Zeit für's Abendessen und dann wurden alle Kinder mehr oder weniger sanft ins Bett komplimentiert, denn jetzt leg ich nur noch die Füße hoch :)

Gegessen:
Obst und Joghurt
Zucchininudeln mit Thunfischsauce
Reste der Woche. Jetzt ist der Kühlschrank von allen Restedosen geleert, wir können ihn wieder vollkochen.