Freitag, 3. Juli 2020
Entwicklungen
Das schwierigste am Bloggen, eigentlich am Schreiben ganz allgemein, sind für mich die Titel. Einem Text eine "knackige" (warum heißt das eigentlich so? Wird aber in den meisten Lehrtexten so verwendet) zu geben, fällt mir schon immer schwer. Aber ich habe den Anspruch, dass der Titel zumindest ein bisschen was über den Tag aussagt, wenn er schon nicht allzu spannend klingt. Hmm. Nun also Entwicklungen.
Ich habe den Eindruck, dass wir im Moment in einigen Übergangsprozessen sind, kleinen und großen, sowohl als Familie, als auch beruflich. Über manche kann ich eher schreiben, als andere.
K3 entwickelt sich zurzeit so enorm. Seitdem er drei geworden ist, scheint sich plötzlich alles zu ändern. Im Grunde erstaunt er mich schon seit einigen Monaten sehr, weil er enorme Sprünge im Sprechverhalten gemacht hat. Aber wirkliche Meilensteine waren in den letzten zwei Wochen, dass er jetzt keine Windeln mehr braucht - und seinen Schnuller abgegeben hat. Bei beidem ist er deutlich später dran als seine Brüder. Ich weiß nicht, warum das so ist, manchmal denke ich, es liegt daran, dass wir Eltern uns erst spät Zeit genommen haben uns darum zu kümmern. Manchmal denke ich, er brauchte beides einfach noch deutlich länger. Seinen Schnuller fand ich am Mittwochabend nicht wieder, hatte auch keine Lust groß zu suchen und erklärte ihm dann, dass ich ihn nicht finden könne und er ohne ihn schlafen müsse. Hat etwas länger also sonst gedauert, hat aber geklappt. Am nächsten Morgen fand er den Schnuller selbst wieder, ich sprach mit ihm, dass er doch jetzt groß genug wäre, um ohne Schnuller klarzukommen, er bracht ihn in den Müll. Wir planten gemeinsam eine Party am Freitag, weil er ja ein großer Junge wäre. Die nächste Nacht ging auch, nachts eine kurze Wein-Phase, aber wir konnten das alle Aushalten - er wird groß und ich bin sehr froh, dass dieses Thema jetzt für's Erste zu den Akten gelegt werden kann.
Ansonsten erleben die Großen auch ihre eigenen Entwicklung. K1 geht stark in Richtung Teeniealter. Ende des Jahres wird er 10, der Übergang auf die neue Schule steht an - und auch wenn, rein vom Wort her, die Teens noch in weiter Ferne sind: Ein Grundschulkind ist dieses große Wesen nicht mehr. Oder zumindest nicht immer. Gefühle zuzuordnen und angemessen zu artikulieren erreicht ein neues Level, seine Wünsche und Vorstellungen ändern sich sehr. Manches kann ich gut nachvollziehen (ein Handy!), anderes eher nicht (den ganzen Tag im Schlafanzug rumlaufen!). Wir geraten aneinander und ich merke: Um diese Entwicklungen angemessen begleiten zu können, brauche ich mehr Ruhe, mehr Schlaf, mehr Geduld.
Ansonsten entwickelt sich hier alles von Schulalltag hin zu Ferien. So richtig in den Ferien angekommen sind die Kinder noch nicht, ich habe ohnehin noch keinen Urlaub. Aber es wird, hoffe ich. Der Mann kauft heute noch einen großen Schwung Schulsachen ein, dann kann da noch einiges vorbereitet werden und dann ist das auch durch.
Beruflich entwickelts sich ein Gemeindealltag, der immer noch mit Corona agiert, aber nicht mehr in erster Linie davon bestimmt wird. Nach den Sommerferien wird es wieder einen fast normalen Gemeindealltag geben, mit entsprechenden Schutzmaßnahmen. Aber auch hier gibt es ein paar Entwicklungen, die mich eher traurig stimmen - und ein paar gute Nachrichten. Es ist, als ob wir die Pause-Taste für's erste gelöst haben, aber mit dem Finger noch darüber schweben. Denn wer weiß schon, wie es weitergeht. Alle Planungen unter Vorbehalt.
Und Gesellschaftlich? Dieser Tage fragt sich so mancher kritisch, ob bei anderen Corona wohl vorbei wäre, so wie sie sich verhalten würden. Wir sind auch hier in einer Zwischenzeit. Natürlich ist Corona nicht vorbei. Aber wir lernen, mit de Virus im Alltag zu leben und uns so zu arrangieren, dass der Alltag so wenig wie möglich damit eingeschränkt wird. Was da vernünftig ist, wird sehr unterschiedlich betrachtet. Aber ich glaube schon, dass wir uns, damit wir uns auf der langen Strecke nicht kaputt machen, in eine gute Balance bringen müssen, mit dem, was unter Infektionsschutzgründen vertretbar ist - und was eben anders bleiben muss.
Sonst so: Viel viel Arbeit, die Stunden, die ich am Geburtstags-Dienstag nicht gearbeitet habe, habe ich schon längst wieder drin. Schwankendes Wetter führte zu Kopfschmerzen beim Mann, sodass ich meine Laufrunde ausfallen ließ und die Kinder stattdessen noch zur Eisdiele mitnahm, damit er einen Moment Ruhe hatte. Elternzeit in den Ferien zehrt besonders. Wir trafen eine Entenfamilie und es ist schwer zu sagen, was niedlicher ist: Die Babyenten oder K3 beim Babyenten beobachten. Der wollte dann jedenfalls nicht mehr mit dem Bobbycar nach Hause fahren und ließ sich schieben - wie schön, dass ich auch große Kinder habe. Gerade K2 schob unermüdlich den Berg hoch. Diese abendliche Runde tut uns allen so gut, sowohl Bewegungstechnisch, als auch um zumindest einmal etwas nettes zusammen unternommen zu haben. Denn wenn ich so viel zu tun habe, lebe ich sonst leicht an den Kindern vorbei.
Abends gemeinsames Abendessen und dann noch zwei Arbeitskreise und dann war's auch gut. Aber auch hier merke ich: Die neue Wirklichkeit ist Abstand, aber dann funktionieren auch Präsenzveranstaltungen und selbst solche kleinen Sachen wie Arbeitskreise funktionieren als Präsenzveranstaltung besser. Die dauern auch länger, es wird nicht ganz so zielführend gearbeitet, aber genau das brauche ich in meinem Beruf häufig. Die Randgespräche sind enorm wichtig.

Gegessen:
Joghurt, Brombeeren, Pflaumen, Nektarinen
Zucchini-Süßkartoffel Curry
Brot, Krautsalat, Zaziki