Samstag, 27. Juni 2020
Wo fang ich an?
Der Tag war so voll, so viele verschiedene Sachen, es fällt mir schwer, einen Anfang zu finden. Also von vorne.
Aufgestanden, mich gefreut, dass es warm ist. Ich funktioniere bei Wärme einfach besonders gut. Ich musste nicht kochen, weil wir Essen gehen wollten, daher hatte mehr Zeit, das fühlte sich gut an. Die halbe Stunde extra tut mir gut - ich könnte sie mir ja häufiger erkaufen, indem ich eine halbe Stunde früher aufstehe. Aber daran scheitert es dann wieder.
Jedenfalls war Zeit für ausführliches Bloggen, das habe ich diese Woche wegen viele Abendtermine auf den folgenden morgen verlegt und das gefällt mir bisher ganz gut. Kombiniert sich nur nicht gut mit ausschlafen, von daher werde ich mich da nicht festlegen, sondern variieren, ich bin ja so flexibel :)
Dann gab's das letzte vor-der-Schule-Frühstück für K2, K1 schlief aus und K3 hat ja ohnehin noch zwei Wochen Kita. Der ging aber gern und zügig rein (ohnehin, kein Thema mit dem Abgeben. Andere Kinder leiden darunter, dass ihre Eltern nicht mit reingehen können, er dreht sich noch nicht mal um und geht rein. Für mich ist diese Regelung superpraktisch und ich könnte das immer so weiter machen...)
Dann fuhr ich zurück und machte noch schnell einen Einkauf, inklusive Buchgeschenke für die Zeugniskinder. Für K2 den neusten Drachen Kokosnuss (eigentlich dachte ich, damit wären wir für's erste durch, aber er entdeckt die Bücher gerade wieder zum Selbstlesen). und für den Großen ein sehr schickes Kreuzworträtselbuch, sieht ganz edel aus, mehr wie ein Kalender, mit Erwachsenen Rätsel - den Kinderrätseln ist er endgültig entwachsen.
Außerdem veganer Frischkäse und Pflanzensahne, denn K1 wünschte sich als "Grundschulabschlusstorte" eine Philadelphiatorte. Habe ich noch nie milchfrei gemacht und mich eben seit der Diagnose von der Milcheiweißallergie bei K3 immer drum herum gedrückt, weil es mir schwierig erscheint, aber jetzt werde ich es versuchen. Habe noch Zuckerdekor gefunden, dann wird es jedenfalls hübsch...
Dann schnell nach Hause, stillen, alles einpacken, auf zur ersten Beerdigung. Ich nahm das Fahrrad, weil es nicht weit war und der Mann dann das Auto hatte, um mit K4 zusammen K3 abzuholen (nochmal ein Zeichen, wir brauchen dieses Lastenrad). Aber ich hatte schon geguckt, die Friedhofskapelle hatte einen großen Anbau, also gute Chancen, dass ich mich da umziehen kann.
War auch so, die Bestatterfamilie war sehr nett und alles war gut organisiert. Da ist ja immer viel Kleinkram zu bedenken. Man unterschätzt das, aber Klarheit ist bei einer Bestattung so wichtig. Es muss immer für alle klar sein, was jetzt passiert, oder zumindest, dass die Verantwortlichen wissen, was jetzt passiert. Keiner will aufgeregtes Rumgerenne und Unordnung. Aber das lief gut, war eine kleine, fast fröhliche Trauerfeier - die Verstorbene war alt und mit fester Sicht auf einen Himmel eingeschlafen, sie war bereit, ihre Angehörigen waren bereit und trotzdem traurig - so ist das im Grunde schön. Wenn keiner traurig ist, ist das nämlich auch falsch.
Ach ja, Klamotten: Es war heiß! Ich trage keinen Talar, unter dem ich theoretisch auch so gut wie nichts tragen könnte, sondern meistens ein Kostüm oder ein Kleid mit Blazer. Ich hatte ein sehr schönes "Freud-und-Leid-Kleid", passend zu fast jedem Anlass, das mir aber kaputt gegangen war. Dann trug ich meist ein Kostüm, aber der Rock ist mir inzwischen soviel zu weit, dass ich mich nicht frei darin bewegen könnte. Also Dienstag noch schnell Kleider bestellt, in der Hoffnung, dass sie a) rechtzeitig kommen und b) passen. Kamen rechtzeitig, passten perfekt, ich habe gleich beide behalten, ist ja quasi Berufskleidung - aber egal wie, Kleid und Blazer sind bei 30 Grad schon eine Herausforderung. Die Pianistin fragte: Kann man nicht ärmellos gehen, ohne Blazer? Meine Antwort: Du kannst das machen, ich nicht. Ein paar Erwartungen gibt es schon.
Dann war das geschafft, ich radelte nach Hause, noch ein paar Besorgungen unterwegs, dann endlich Zuhause.
Wir wollten dann schnell wieder los zum Zeugnisessen. Die Zeugnisse hatten wir alle schon gesehen, aber gefeiert noch nicht anständig. K1 wünschte sich Vapiano, mir war das sehr recht, weil wir hier für alle etwas kriegen: Glutenfrei, vegetarisch, milchfrei, alles kein Problem. Wir aßen sehr gute vegane Pizza, glutenfreie Pizza, vegane Pasta - echt super und für mich ist das Prinzip, dass im Moment draußen an den Tischen Essen gebracht wird und man nur zum Bezahlen reingeht ganz prima :)
Ein Eis zum Nachtisch und dann suchten K1 und ich in Rekordtempo sein erstes Handy aus. Er hatte keine Vorlieben, ich wollte etwas einfaches (ich kenne ihn ja) und dann ging das ganz fix.
Dann brachten mich die Männer zur nächsten Trauerfeier, anderes Unternehmen, andere Location, nicht auf dem Friedhof sondern in einer Trauerhalle, die Beerdigung folgt erst später. Aber wieder ein sehr netter Kontakt mit den Bestattern, das ist für mich beruflich immer wichtig, weil ich auch schon Mal Empfehlungen aussprechen muss. Auch diese Trauerfeier war warm, traurig, nicht ganz so sehr von einer Zuversicht auf den Himmel geprägt und das macht sich dann schon in der Stimmung bemerkbar. Aber ich glaube, es war gut für die Familie, wie es war. Nächste Woche noch die Urnenbeisetzung, dann ist das auch zu Ende - zumindest für mich.
Die Männer waren unterdessen noch eine Simkarte kaufen und auf dem Spielplatz und dann trafen wird uns wieder. Für die Stunde, die so eine Trauerfeier alles in allem braucht, hätte es sich für sie nicht gelohnt, nach Hause zu fahren, denn sie mussten mich ja wieder abholen.
Zuhause ging ich direkt an den Schreibtisch, Andacht vorbereiten für das Jugendtreffen am Abend. Das war dann auch der Tagesabschluss: Treffen der Jugendlichen (auf Abstand), quatschen, ein bisschen andächtig sein, Essen und Kubb spielen und dann war es zehn und ich konnte vor Müdigkeit nicht mehr richtig sehen.
Zuhause dann einmal die Lieder für Sonntag üben, Samstag proben wir und dann war es das auch. Der Mann hatte mir ein Überlebenspaket gepackt, mit Süßigkeiten, einem Buch (wann soll ich das lesen?) und einem Spiel und das tat gut. Die Woche war hammerhart, und sie ist noch nicht zu Ende. Aber es wird weniger und es tut gut, dass die Familie hinter mir steht und mir den Rücken freihält.
Tag zu Ende, Augen zu.

Gegessen:
Quark, Brombeeren, Apfel
vegane Salamipizza
Minipizzen, Eis, Süßigkeiten