Sonntag, 17. Mai 2020
Jetzt leg ich nur noch die Füße hoch
Wenn ich eine normale Arbeitswoche habe, dann läuft die immer auf den Sonntag zu. Dienstag beginne ich normalerweise langsam, mache erste Planungen für den Gottesdienst, daneben aber vor allem längerfristige Planungen und die Dinge, die eben so täglich anfallen. Dann nimmt der Sonntagsgottesdienst von Tag zu Tag mehr Raum ein, bis er dann, je nach meiner eigenen Organisation und den Vorlieben der Mitarbeiter*innen am Freitag oder Samstag Abend fertig ist. Ich habe also immer das Gefühl, alles läuft auf Sonntag 10 Uhr zu, manchmal ist der Berg sehr steil, manchmal läuft es eher gemütlich - aber immer ist es so, dass am Sonntag um 13 Uhr (oder wann auch immer ich die Gemeinde verlasse) der Spannungsbogen plötzlich massiv abfällt. Ich bin dann mittags immer erstmal sehr hungrig und nachmittags sehr müde, mache noch das, was dann noch nötig ist, aber viel wird das arbeitsmäßig nicht. Zu Aktivitäten mit der Familie muss ich mich dann schon sehr aufraffen, abends gibt es eigentlich nicht viel außer Fernsehen oder Puzzeln was ich mental noch schaffe.
Ich arbeite jetzt seit mehr als sechs Jahren als Pastorin, aber ich habe es immer noch nicht besser hingekriegt.
Entsprechend lief der Tag heute auch: Früh aufstehen, schnelles Frühstück und dann mit K1 und 2 zum Gottesdienst. Die beiden durften nämlich bei einem Experiment assistieren. Ich gehe eigentlich immer zu Fuß, mir tut die Luft auf dem Hinweg und der Abstand auf dem Rückweg gut, so auch heute. Zuhause gab es nach dem Mittagessen nur noch gepflegtes Sofaliegen und Videotelefonie mit den Eltern. Inzwischen kriegen die Kinder das echt gut hin, versuchen bewusst, nicht zu viel durcheinander zu reden und zeigen alles, was sie zeigen wollen, direkt in die Kamera.
Dann endlich das, worauf ich seit einigen Wochen schon hingefiebert haben: Die aus der Gärtnerei gelieferten Gemüsepflanzen sollten eingepflanzt werden. Dieses Jahr hatte ich es das erste mal mitgekriegt: Der Bauernhof, der unsere Biokiste liefert, ist verbunden mit einer Gärtnerei und bei der konnte ich sehr einfach Gemüsepflänzchen bestellen, die natürlich etwas teurer als vom Discounter oder als Saatgut waren, aber da ich zum Selbstziehen zu faul und mit den Discounterpflänzchen nicht immer nur glücklich war, war ich gern bereit mehr zu zahlen - und soviel teurer war es auch nicht.
Diese Pflänzchen waren nun also Donnerstag geliefert worden und ich hatte das einpflanzen gleich auf Sonntag verlegt, weil die Nächte vorher doch noch recht kalt werden sollten. Ich hatte mit K1 zusammen ausgesucht und wir hatten wirklich reichlich bestellt und ich war etwas in Sorge, ob der Platz in unserem kleinen Garten reichen würde, aber ich denke, wir haben alles gut untergekriegt: Zwei Sorten Gurke, Paprika, Zucchini, Süßkartoffel, Tomate und Kürbis, dazu noch Aubergine, Peperoni und Kräuter. Salat und Kartoffeln wachsen schon - wenn das alles klappt, steht dem Selbstversorgerleben nichts mehr im Weg. Ich hätte ja gern noch ein paar Hühner, so im Sinne der Selbstversorgung, aber wir mögen unsere Nachbarn sehr und wollen die gute Beziehung nicht auf die Probe stellen. Auch unser Hang zu langen Urlauben spricht nicht unbedingt dafür... Naja, aber die Gemüseversorgung steht zumindest.
Danach war auch schon Zeit für's Abendessen und dann wurden alle Kinder mehr oder weniger sanft ins Bett komplimentiert, denn jetzt leg ich nur noch die Füße hoch :)

Gegessen:
Obst und Joghurt
Zucchininudeln mit Thunfischsauce
Reste der Woche. Jetzt ist der Kühlschrank von allen Restedosen geleert, wir können ihn wieder vollkochen.