Sonntag, 3. Mai 2020
Kameramann, Schatzsucher und Telefonist
Das waren die Jobs, die meine Jungs heute übernommen haben. Chronologisch los ging es mit dem Kameramann. Das war K1. Er hatte am Freitag ja schon geübt, aber heute durfte er im Gottesdienst das erste Mal an der Technik mitmachen. Letztlich hat er gar nicht die Kamera bedient, sondern die Liedfolien weitergeklickt, aber das war im Grunde auch egal. Er hat jedenfalls einen wichtigen Beitrag zum Gottesdienst geleistet, hat die gesamte Zeit über hochkonzentriert das Geschehen verfolgt und nicht einen Fehler gemacht. Ich finde es so großartig, wie er erstmal total erwachsen und konzentriert eine Kamera programmiert, alle Aufgaben zuverlässig erfüllt, völlig in Gedanken seine Schuhe auszieht, damit er bequem auf dem etwas zu hohen Stuhl sitzen kann und dabei fast in den Bildschirm reinkriecht. Aber dann, wenn der Druck abfällt und alles fertig ist taucht er völlig wieder aus seiner "Arbeitswelt" auf, springt herum wie ein junger Hund, umarmt mich 5 mal, sprudelt begeistert heraus, was er alles gemacht hat. Beides gehört zu ihm und beides finde ich großartig und ich bin so dankbar, dass er in unserer Gemeinde die Möglichkeit hat, sich derartig auszuprobieren. Da tritt das eigene, das was man selbst gemacht hat, ganz automatisch in den Hintergrund und das ist auch wirklich und ganz und gar richtig so!
Nach diesem Arbeitseinsatz machten wir uns auf den Weg nach Hause, wo wir schon mit Enchiladas erwartet wurden. Arbeit macht hungrig :)
Dann kam die Schatzsuche. In einer unserer WhatsApp Gruppen läuft im Moment eine Art Schatzsuche: Ein Gegenstand wurde versteckt, es gab ein kleines Video und der erste, der anhand diese Videos den Schatz findet, holt ihn und versteckt ihn neu. Heute wusste ich ziemlich genau wo er ist und da K2 begeisterter Schatzsucher ist, machten wir uns auf um zu schauen, ob wir ihn nicht finden. K2 liebt dieses Suchen so sehr wie kein anderer. Jeder Geburtstag muss eine Schatzsuche beinhalten, natürlich altersmäßig angepasst und wenn es irgendeine Möglichkeit gibt, ihn vom PC wegzulocken, dann die Ankündigung, dass man eine Schatzsuche machen würde. Dabei geht es ihm wirklich vor allem ums Suchen, nicht um den Schatz an sich. Er findet sogar Geocaches ohne das wir danach gesucht hätten "denn das sah so aus, als wäre es ein gutes Versteck". Also haben wir ihn glücklich gemacht und gesucht und gefunden und dann wieder versteckt.
Der Telefonist schließlich war K3, der mich sehr begeisterte: Er ist zur Zeit in einer sehr spannenden Spracherwerbsphase, in der lernt komplexe Zusammenhänge zu verbalisieren. Er kam also zu mir aufs Klo (ja, jedes Mama-Klischee erfüllt), kurz vorm ins Bett gehen und erklärte mir: Mama, du musst kommen und mir helfen: Ich kann mein Telefon nicht finden. Du musst mir mein Telefon suchen, ich brauche es unbedingt denn die E. ist am Telefon und ich muss mit ihr reden, sie wartet auf mich. Glücklicherweise wusste ich, was er meinte, sein Telefon ist eigentlich eine Fernbedienung - allerdings wusste ich nicht, wo sie ist. Was ihn nicht davon abhielt, mich aus der Toilette herauszuziehen, inklusive Licht ausmachen und Tür zuknallen, damit ich endlich komme und suche. Leider war ich nicht erfolgreich, er ließ sich aber mit einem selbstgebautem Lego "Telefon" besänftigen und telefoniert dann mit E. - exakt so, wie er es eben von uns hört: Ja? Ja? Nein, nein, nein. Kannste machen. Klingt gut. Nee, kannste machen. Sehr schön. Ja. Ja, ja. Alles klar. Mach's gut und grüß schön!" Es war herrlich.
Alles in allem hat also jeder den Sonntag mit seinen persönlichen Highlights verbracht und das war wirklich schön. Sowas entspannt mich ja fast mehr als ein komplett fauler Tag - allerdings freue ich mich auch, morgen nochmal richtig frei zu haben. In diesem Sinne werde ich jetzt also die letzten Vorbereitungen machen, damit ich morgen nichts mehr machen muss und dann freue ich mich auf mein Wochenende.