Mittwoch, 29. April 2020
Nerven nerven
Das Gute zuerst: Irgendwann hat der Tag noch die Kurve gekriegt. Oder ich. Oder der Rest der Familie. Man weiß es nicht. Aber der Anfang war schon... naja. Lassen wir das.
Es ist eben auch nicht die schlauste Idee, den Tag mit einem Einkauf zu beginnen. Aber was will man machen, wir alle wollen Essen, mit dem Blick auf den Feiertag am Freitag sind am Donnerstag wahrscheinlich nur Verrückte unterwegs, also lieber heute.
Im Discounter meines Vertrauens werden die Schutzmaßnahmen nur so eben gerade umgesetzt und das stört mich. Nicht unbedingt, weil ich glaube, dass dadurch die Gefahr auf Ansteckung deutlich erhöht wird, aber ich finde es einfach aus Prinzip blöd, wenn die Verkäuferinnen die Masken unters Kinn ziehen und die Verkäufer den Abstand selbst schon nicht einhalten. Also gehe ich im Moment zur Konkurrenz, wo alle Schutzmaßnahmen in denkbar unästhetischer Weise, aber vollständig und sinnvoll umgesetzt werden. Also wirklich, hässlicher geht's nicht, aber es funktioniert alles wunderbar, alle Mitarbeiterinnen tragen ihre Masken und freundlich sind sie auch noch. Ich finde mich mangels Übung nur nicht so gut und schnell zurecht und entweder gab's nicht alles, oder ich habe aufgegeben, also musste ich doch noch zum zweiten Discounter. Dann noch Drogerie, Vollsortimenter und dann nochmal zur Konkurrenz, weil es kein glutenfreies Mehl gab. Also insgesamt fünf Läden und das vor 9 Uhr und ohne Kaffee. Ich war durch, bevor ich mich an den Frühstückstisch gesetzt hatte. Aber jetzt ist alles aufgestockt, damit kommen wir wieder zwei Wochen klar und ich muss zwischendurch nur auf den Wochenmarkt. Und es gab Schokolade runtergesetzt. Schweizer Schokoladentafeln, verschiedene Sorten für 50ct! Ich habe ja mal in der Nähe des eines Lindt Outlets gewohnt und bin daher verwöhnt, aber so günstig war's selbst da nicht. Das hat bei mir tatsächlich die Laune sehr gehoben, ohne dass ich überhaupt ein Stück davon gegessen habe.
Zuhause ging es nach dem Auspacken munter weiter: Bockige, motzige Kinder, die (verständlicherweise) keine Lust mehr auf Schulaufgaben haben und K3, das uns im Moment wirklich alles abverlangt. Der macht! permanent! Blödsinn!
Mittagessen (Zoodles mit Tomatensauce) machte den Tag schon etwas besser. Dann kam ich nachmittags mit der Arbeit so gut voran, dass ich alles aufholen konnte, was durch den späten Start liegen geblieben war. Mit diesem Rückenwind konnte ich auch die von mir initiierte Runde Stadt-Land-Fluss online mit Eltern und Schwestern fröhlich schaffen, auch wenn das Spiel ständig abstürzte und es überhaupt sehr nervig war, bis die Technik lief und alle dabei waren. Und ich habe nur müde mit den Augen gerollt, dass ernsthaft Leute mit Ü30 so großen Ehrgeiz entwickeln, dass sie so schnell auf Stopp drücken, dass die U10 Kinder, die ja noch mit Adler-such-System unterwegs sind nicht eine Antwort tippen konnten. Die Kinder nahmen es aber echt sportlich.
Naja wäre das auch ausprobiert und ganz vielleicht probieren wir das nochmal. Ich verstehe jetzt endlich ein Problem mit den Remote Familientreffen. Wenn meine Familie zu Besuch kommt, dann erleichtert uns das im Wesentlichen die Arbeit: Sie spielen mit den Kindern, wir müssen uns also deutlich weniger kümmern. Im Idealfall haben der Mann und ich dann sogar Zeit ein paar Sätze ohne Unterbrechung miteinander zu reden. Bei allen remote Treffen, müssen wir noch so viel Unterstützung einbringen, sowohl technisch, als auch in Bezug auf Dos und Don'ts während eines Videocalls (nicht in die Kamera schreien, halt, jetzt bist du aus dem Bild, sei mal einen Augenblick still, es darf immer nur einer reden), dass das wirklich Arbeit für uns ist. Wir können die Kinder dabei nicht allein lassen, müssen Übersetzen und Anleiten und wenn die Kinder fertig geredet haben, ist der Gesprächsbedarf der Großeltern vielleicht noch gar nicht gedeckt. Es ist also überhaupt keine Arbeitserleichterung für uns.
Aber natürlich freuen wir uns trotzdem und es ist schon alles gut so - aber ich freue mich sehr auf eine Zeit, in der das dann nicht mehr nötig ist.
Im Vergleich zum Start war es jedenfalls ein toller Abend und vielleicht gehe ich gleich nochmal in den Keller, streichle die Vorräte (mein Schaaatz) und freue mich, dass ich zwei Wochen Einkaufsruhe habe. Oder ich bleibe einfach auf dem Sofa sitzen.