O-Saft und Pancakes - K1 wird 10
23.12.2020
Letzter Geburtstag in diesem Jahr (außer Jesus natürlich, aber das zählt ja nicht so richtig). Sechster Familiengeburtstag in der Pandemieedition. So eingeschränkt waren wir allerdings zu den bisherigen Geburtstagen nicht. Schot seit einigen Wochen habe ich mir Gedanken gemacht, wie wir diesen Geburtstag feiern sollten. K1 war keine große Hilfe, er wusste ja auch nicht so richtig, was geht. Wir hatten also geplant, dass wir im Wesentlichen zu Hause bleiben würden, es was leckeres zu Essen geben würde, vielleicht mal ein Spaziergang zwischendurch und ein Rätsel/Schatzsuche oä. Klingt ganz gut für einen 80sten Geburtstag. Für einen zehnten Geburtstag tat's mir echt Leid, auch wenn ich dass natürlich nicht geäußert habe. Mein Zeil bei Geburtstagen ist eigentlich immer, dass wir -insbesondere natürlich das Geburtstagskind- einen schönen Tag haben - aber auch, dass es etwas wird, woran man sich gern erinnert: Da waren wir hier/da haben wir das gemacht/ da kam der-und-der zu Besuch, naja, sowas. Da haben wir auf dem Sofa gesessen und gespielt gehörte irgendwie nicht dazu. Aber was sollte man machen. Sonst machen wir tatsächlich immer gern Kindergeburtstag am 23. - alle Eltern freuen sich, normalerweise sind immer alle da und die Aufregung für Weihnachten kanalisiert sich auf einer anderen Ebene. Geht echt immer ganz gut. Naja.
Jedenfalls begann der Tag so, wie K1 es sich gewünscht hatte: Mit Ausschlafen, außer für mich, ich war schon um vier auf und nähte, aber das bekam er ja nicht mit.
Der Mann hatte dankenswerter Weise abends noch alles vorbereitet, was vorzubereiten war. Also war, als K1 dann (komplett angezogen, man staunt), herunterkam, das Wohnzimmer geschmückt, alle Geschenke waren aufgestellt und wir deckten gerade den Frühstückstisch.
Pancakefrühstück sollte es sein, so hatte K1 es sich gewünscht. Das war auch sehr schön und gemütlich. Überhaupt, man merkt, dass wir eben einen zehnten und keinen fünften Geburtstag gefeiert haben. Die Aufregung über Geschenke ist nicht mehr so groß, dass schon alle Geschenke vor dem Essen aufgerissen werden müssen, sondern er konnte fröhlich frühstücken und dann auspacken (wobei die Aufregung schon ein bisschen auf den Magen schlug, zwei Pancakes sind bei einem Zehnjährigen doch eigentlich eine Beleidigung an den Koch. Aber wir sind mal nicht so). Dann wurden Geschenke ausgepackt und bewundert, währenddessen kamen die Tanten und Großeltern per Skype dazu.
Der Geburtstagspulli, immer noch mit Zahl, was mich erstmals in die Verlegenheit brachte zu überlegen, wie ich zwei Ziffern ausbalancierte, passte und gefiel, das war schonmal super. Die Geschenke spiegelten die aktuellen Interessen gut wieder: Ein ??? Rätselpuzzle, ein anderes Rätselpuzzle und ein Harry Potter Spiel. Dazu gab es noch eine passende Federtasche zum Tornister, die ersetzt die bisherige Grundschulfedertasche und wird übers Jahr sicherlich noch Freude machen. VOn den Großeltern gab es einen Sitzsack, das passt gut zu dem Kind, das den Wert von "Chillen" im letzten Jahr so richtig entdeckt hat. Einer der Punkte, an dem man merkt, dass er jetzt groß wird. Er verbringt immer mehr Zeit im eigenen Zimmer, hört Musik und Hörspiele, malt und bastelt dabei, oder puzzelt. Er könnte inzwischen über Stunden gut mit sich selbst klar kommen. Aber auch mit Freunden klappt es gut, zwei Freunde gehen hier, wann immer es pandemisch vertretbar ist, ein und aus.
Der Wechsel auf die höhere Schule hat sicherlich auch nochmal einen Schub auf der Skala in Richtung "großes Kind" gegeben und auch wenn es bei weitem nicht so unproblematisch läuft, wie wir uns das ausgemalt hatten, ist es in der Schule gut angekommen - zu gut, könnte man fast meinen, wenn man die Elternbriefe sieht, die regelmäßig wegen schlechtem Benehmen im Unterricht heimkommen. Wir werden sehen, wie es in der Beziehung weitergeht.
Das Geschenkeauspacken ging nahtlos in Ausprobieren und Spielen über, eine Harry Potter Rallye löste K1 fast allein, wir mussten kaum unterstützen.
Der Tag war völlig verregnet, deshalb schoben wir den Spaziergang immer weiter raus und aßen erstmal den obligatorischen Zauberkuchen zum Kaffee, diesmal nicht nur glutenfrei, sondern auch vegan. Dieser Kuchen ist aus einem Bilderbuch über Zöliakie und im Grunde eine Philadelphiatorte - ich habe sie inzwischen schon so oft gemacht, dass ich sie ohne Rezept mache. Im Grunde mag die auch nur K1 so richtig gern, aber das ist dann ja auch okay. Auch wieder typisch K1: Individueller Geschmack, den er auch nicht ablegt, um besser in den Mainstream zu passen. Wenn er sich sicher ist, was er will, dann bleibt er auch dabei, selbst wenn er damit komisch angeschaut wird. Das ist ein toller Wert - manchmal anstrengend, aber von uns unbedingt unterstützt.
Nach dem Kaffee regnete es immer noch - aber dann reichte es mir. Alle bekamen Regensachen und Gumistiefel an, K1 passen jetzt meine Gummistiefel - und wir gingen raus. Und damit kamen wir zumindest an das unvergessliche Erlebnis zum Geburtstag 2020, denn wir fanden gnug Pfützen, dass alle Kinder im Handumdrehen klatschnass waren. Wir machten ein Video und meine Mutter kommentierte später: Wenn man das Video nur hört, denkt man, es wäre ein Sommervideo aus dem Pool. Es war großartig, die Kinder hatten Riesenspaß und so wird der Geburtstag in die Geschichte eingehen, "an dem wir mit Riesenplatsch in den Pfützen badeten". Sehr schön! Hinterher kamen alle noch in die richtige Badewanne und dann gab es ein sehr gemütliches Abendessen im Schlafanzug. Spaghetti mit Tofu-Carbonara hatte sich K1 gewünscht und das zeigt eine tolle Entwicklung des letzten Jahres. Seit bald einem Jahr ist er nun schon Vegetarier, hat die Entscheidung nie in Zweifel gezogen, sondern lebt sie in bewundernswerter Konsequenz. Denn wenn K1 etwas versteht, unterstützt und beschließt, dann bleibt er dabei, komme, was wolle.
Der Tag ging entspannt auf de Sofa zu Ende, es wurde noch gespielt und gelesen und es war überhaupt sehr gemütlich und ich glaub K1 hat nicht viel vermisst gegenüber den letzten Jahren. Es war nun mal ein besonderes Jahr und wir kennen das ja schon.
Eins ist sicher, unser Großer ist auf einem guten Weg, auch wenn er nicht immer den einfachsten aller Wege geht, manchmal selbst verschuldet und manchmal unverschuldet. Aber er kommt auf seine Art mit den Herausforderungen klar und das ist viel Wert. Ich bin froh, ihn begleiten zu dürfen und liebe seinen Wissensdurst, seine Überlegungen und seine Begeisterungsfähigkeit. Happ Birthday, liebes K1. Wir freuen uns auf's nächste Jahr und haben dich sehr lieb.