ein geschäftiger Samstag
12.09.2020
Da ich mich am besten entspanne, wenn ich Dinge zu tun habe, die mir Freude machen, aber dabei durchaus produktiv sind, hatte ich mir für Samstag schon eine innere Liste der Dinge gemacht, die ich erledigen wollte.
Als erstes stand auf der Liste aber ausschlafen und das tat ich, so gut das eben mit den beiden Kleinen im Bett geht. Aber erstes Aufwachen war um halb acht, dann ausgiebiges Kuscheln, ich schlief noch eine halbe Stunde wieder ein und als ich um halb neun aufstand, hatte der Mann den Frühstückstisch schon gedeckt und war schon entschwunden, die Brötchen zu holen.
Mein subjektiver größter "Corona-Verlust" ist ja im Moment immer noch der Bäcker, zu dem wir nicht mehr gehen, weil er keine Bereitschaft zeigt, Hygienemaßnahmen einzuhalten oder durchzusetzen. Aber der Bäcker, bei dem wir jetzt die Brötchen holen (und der mit den Hygienemaßnahmen vorbildlich umgeht), bei dem schmecken mir die Brötchen einfach nicht so gut. Luxusprobleme...
Gemeinsames Familienfrühstück mit viel Erzählen. Ich musste kurz zwischendurch rausgehen, weil K3 permanent in mein Ohr redete - wenn die anderen erzählen will er auch immer was erzählen. Wenn ich ihn dann bitte, etwas leiser zu reden sagt er mir: Ich rede gar nicht mit dir, ich meine Papa. Puh. Aber dann ging es.
Danach machte ich mich mit K1 auf zum Markteinkauf, außerdem brauchten wir Quark für den Kuchen später. Beim Laden war es so voll, dass wir ein paar Minuten warten mussten, bis wir einen Einkaufswagen bekamen. Das regte eine Person in der Schlange schon wieder fürchterlich auf - ja, die Solidarität, die Rücksichtnahme, das Verständnis für coronabedingte Einschränkungen schwindet zunehmend.
Schneller Einkauf, dann über den Markt und dann suchten wir uns ein Eiscafé. K1 schreibt nächste Woche die erste Arbeit, einen Deutschaufsatz und ich wollte gern, dass er das einmal probeweise schreibt. Da es ein Brief ist, bot es sich an, an meine Schwester zu schreiben. Da es Samstag war, bot es sich an, gemütlich und ungestört dafür im Café zu sitzen.
Ich trank einen Cappuccino, er trank Tee, zu beiden gab es ein Minieis und einen großen Keks dazu - und das darf er ja alles nicht. So hatte ich ein zweites Frühstück (und er bekam hinterher natürlich noch ein Eis).
Den Brief haben wir dann gleich zur Post gebracht. Zuhause ging es weiter auf meiner Liste: Heide anpflanzen und Unkraut jäten. K4 saß mit mir draußen und "half", K2 pflanzte ganz toll die Heide und jetzt sieht der Vorgarten zumindest ganz okay aus. Einen Preis werde ich damit nie gewinnen, aber ich sehe Chancen, dass nicht allzu viel Unkraut in die Nachbargärten abwandert.
Spätes bloggen und eine Runde arbeiten.
Danach war es Zeit zum Backen und Vorbereiten vom Abendessen: Zwei Kuchen und zwei Bleche Flammkuchen, der Mann half, aber wie immer, wenn wir zwei in der Küche sind, geht das nicht so richtig reibungslos, weil er die Dinge anders macht als ich und ich meine Ideen für besser halte. Naja, ging dann aber ganz gut.
Während der Kuchen im Ofen war begleitete ich K1 zur Gemeinde, er musste seinen Technikdienst vorbereiten. Er kann das ganz allein, aber ich gehe gern mit, einerseits weil der Weg zu zweit netter ist, andrerseits, weil es sich selbst für mih immer etwas seltsam anfühlt, ganz allein in dem großen Gebäude zu sein, wo sich theoretisch in jeder Ecke jemand verstecken könnte...
Das war schnell erledigt, wir gaben auf dem Rückweg unser Startzeichen, sodass der Flammkuchen fast fertig war, als wir zurückkamen. Ich hatte unterdessen mit einer Freundin geschrieben, die Kontakte hatte zu einer Sammelstelle für Gain, die nach Moria fahren. Da kann ich bis morgen Windeln und Kinderkleidung abgeben, die dann weitergegeben wird. Es erscheint mir fast zynisch, mehr wie ein freikaufen, dass ich die Kindersachen, die bei uns übrig sind, jetzt so abgebe - aber soll ich sie behalten? Ich wünschte fast, es würde uns mehrwehtun, etwas abzugeben, damit ich jedenfalls etwas getan hätte - aber es ist so einfach und es deswegen nicht zu tun wäre ja auch Quatsch.
Langes Gespräch auf dem Rückweg über Flüchtlingspolitik und Aufnahmequoten mit K1. Danach war ihm kalt.
Wir aßen gemeinsam und gingen nach dem Essen noch Windeln einkaufen, immerhin etwas tun. K1 ging mit, genoss die Zeit mit mir und das Gefühl etwas zu tun.
Ein großer Karton, der uns von keiner Pflicht entbindet, von dem ich nur hoffe, dass er irgendwie etwas Leid lindert.
Abends noch Arbeit bis halb eins, der Kleinkram dauert halt doch, aber dann ist es fertig. Nebenbei eine Doku über Überfischung der Meere, passte zum Duktus. K1 und ich essen zwar kein Fleisch, aber schon noch Fisch. Warum eigentlich? Weil es einfacher ist.
Toller, geschäftiger Tag, mit einem nachdenklichen Ausgang und der immer wiederkehrenden Frage: Was kann ich tun? Kann ich mehr tun?

Gegessen:
Laugenbrezel, Brötchen, Rührei
Minieis, Kekse
Flammkuchen mit Räuchertofu, Birne und Zwiebeln