Urlaubsrückblick 1: Eine Woche an der Mosel
In diesem Jahr war unser Urlaub relativ spontan und auch ein bisschen anders als sonst. Normalerweise haben wir einen groben Plan, wo wir hinwollen (diesmal wollten wir eigentlich nach Bosnien), was wir vielleicht gern sehen würden. Vor zwei Jahren zum Beispiel war der Reiseplan: Slowakei, klettern und unterwegs ein paar Tage Prag.
Dass es Bosnien nicht werden würde, war dann relativ schnell klar. Erst wussten wir nicht, ob wir überhaupt fahren wollten, aber zuhause bleiben war auch keine echte Option. Dann haben wir entschieden, dass wir in Deutschland bleiben wollten, möglichst in einer abgelegenen Ecke, also auf keinen Fall am Meer, aber Wasser wäre schon schön. Dann kam dazu, dass meine Eltern gern in der Eifel wandern wollten und wir uns ja für ein paar Tage treffen könnten. Ich wollte gern in den Odenwald, weil ich ihn noch nicht kannte und für unbekannt genug hielt, dass es da nicht zu voll werden würde. K4 hat sich während der letzten Wochen das Autofahren ziemlich abgewöhnt, wir mussten ja nirgends hin, und ist daher nicht der entspannteste Mitfahrer, also wollten wir nicht zu lange fahren und auch beim Verlegen nicht lange im Auto sitzen, aber auch nicht drei Wochen an einem Ort verbringen. Und so entwickelte sich langsam der Plan: Eine Woche Mosel, eine Woche Nahe, mit Familientreffen, eine Woche Odenwald.
Normalerweise buchen wir keine Campingplätze. Ich bin doch nicht verrückt: Da hat man die flexibelste Art zu reisen überhaupt und legt sich vorher fest? Aber da ich die touristische Lage überhaupt nicht einschätzen konnte, hielt ich es für geraten, diesmal vorzubuchen. Hätte vielleicht auch so geklappt, aber entspannt ist anders.
Nun habe ich viel Erfahrung im Campen und behaupte auch nach einer Website ganz gut beurteilen zu können, ob der Platz zu uns passt, oder nicht. Trotzdem war ich etwas nervös, als wir am ersten Abend auf den anvisierten Campingplatz rollten. Wir hatten schon Sonntag gepackt (bzw. der Mann hat gepackt, noch nie habe ich so wenig zum Packen beigetragen, wie in diesem Jahr). Montag sollte es also vor allem ein gemütliches Frühstück geben und dann ein entspanntes Losfahren. War dann so entspannt, dass es etwas spät wurde… Aber um halb sechs waren wir am Campingplatz.
Da gab es dann die erste Überraschung: Die Rezeption war zu. Ich hatte im Internet schon von etwas seltsamen Öffnungszeiten gelesen, aber mir keine weiteren Gedanken gemacht. Hätte ich mal machen könne. Die Rezeption schließt nämlich um 17.30 Uhr. Macht allerdings um 18.30 Uhr wieder auf. Um 20.00 Uhr ist dann endgültig Schluss. Was das so sollte habe ich bis zum Schluss nicht verstanden, sie werden wohl einen Grund dafür gehabt haben (Abendessen? Aber so früh?). In den nächsten Tagen war es für mich ein guter Zeitmesser, weil wir das Ladegerät für meine Uhr vergessen hatten und ich bis zur Lieferung des Ersatzladegeräts dann zeitlos war, aber in diesem Moment war es erstmal etwas ernüchternd.
Wir mussten ja noch Aufbauen und Einkaufen, denn Lebensmittel hatten beim besten Willen nicht mehr ins Auto gepasst und das wurden dann zeitlich schon etwas herausfordernd. Aber zum Glück wurde um 18 Uhr schon wieder geöffnet und wir konnten unseren Platz beziehen. Der Campingplatz ist geschickt angelegt: Es gibt einen Teil für Dauercamper und mit Stellplätzen für Wohnwagen und Wohnmobile, wobei sicherlich viele der Wohnmobilreisenden schon auf dem vorgelagerten Wohnmobilstellplatz bleiben, gerade wenn sie nur eine Nacht bleiben wollen.
Dann gibt es Zeltplätze direkt am Wasser auf einer leicht abfallenden Wiese. Darüber hinaus -und da waren wir- gibt es im hinteren Teil des Platzes eine große Zeltwiese. Ich hatte den Eindruck, dass diese Wiese bei Bedarf erweitert werden kann, indem man Teile der angrenzenden Wiese mäht. Der Nachteil an diesem Teil des Platzes ist eindeutig, dass man es recht weit zu den Sanitäranlagen und auch zum Eingang des Platzes hat. Für uns überwog aber der Vorteil: So schön ein Platz am Wasser ist, so gefährlich ist es eben auch mit Kindern, die nicht schwimmen können. So standen wir etwas vom Wasser entfernt, konnten aber entspannt bleiben, wenn K3 und 4 sich etwas weiter entfernten.
Als wir uns eine schöne Ecke ausgesucht hatten, fuhr der Mann mit K3+4 los, um Essen einzukaufen und wir anderen machten uns daran die Zelte aufzubauen und einzurichten. Das klappte ganz gut und so waren wir um 9 Uhr alle satt, hatten einen Schlafplatz und konnten das wunderbare Panorama drum herum richtig genießen.
Die nächsten Tag relativ ähnlich, eigentlich der ganze Urlaub: Ausschlafen (heißt beim Zelten bis maximal halb neun. Dann wird es im Zelt zu warm oder es wird laut oder einer ist unruhig und macht mangels Rückzugsmöglichkeiten die anderen wach. Macht aber nix, wir gehen recht früh schlafen, für unsere Verhältnisse, gerade wenn es abends doch mal kalt wird.) Dann Brötchen holen, allgemeine Körperpflege, ausgiebiges Frühstück, Aktivität in irgendeiner Form, Eis, Schwimmen, Abendessen kochen und essen, Spielen, Schlafen. Ungefähr in dieser Form verlaufen unsere Urlaubstage immer und das ist für alle gut. Ab und an versuchen wir keine Aktivität einzuschieben, aber spätestens am Nachmittag wird mir das zu langweilig und ich breche zumindest mal zu einem Spaziergang auf.
An der Mosel war natürlich alle Aktivität vom Wein und vom Weinbau geprägt. Also, wir haben nicht nur Wein getrunken (aber auch). Aber die Wienberge locken einfach sehr als exotische Wanderziele. Das kennen wir so nicht. Und wir waren (mehr oder weniger zufällig, ich hatte das nicht vorgeplant), im steilsten Weinbaugebiet Europas. Der Calmont, keine 5km von uns entfernt ist der steilste Weinberg und auch die berge drum herum verlangen einem wenn man draufsteigt doch so einiges ab.
In den Calmont hat man einen Klettersteig hineingebaut, den wollten wir natürlich begehen. Der war wirklich wunderbar, kein reiner Klettersteig, sondern ein Wanderweg mit schönen Kletterelementen: Krampen, Seile, Leitern, was man so braucht um 8 und 9-jährige zu begeistern. Zumindest unsere lieben das und K3 war dieses Jahr auch schon sehr aktiv dabei. K4 war im Ergo auf meinem Rücken und für K3 gab es auch eine Kraxe, aber gerade, wenn geklettert wurde, war er voll dabei und wenn man sich genug Zeit nahm, kam er auch prima zurecht. Der Blick auf die Mosel war wunderschön, die Hauptkonzentration lag diesmal allerding auf dem Weg – es war ein eher sportliches Vergnügen, weshalb wir zwei Tage später nochmal am gleichen Berg, diesmal aber den Panorama-Höhenweg gegangen sind. Bis zum „Vier-Seen-Blick“ war schon anstrengend, zumal wir auf dem Hinweg ein bisschen falsch gegangen waren, aber ich bin sehr froh, dass wir das noch gemacht haben, denn es lohnte sich sehr. Ich habe wieder mal gemerkt: Ich bin schon eher Berg- als Seemensch – aber diese Kombination aus Wasser und Berg ist für mich perfekt.
Einen etwas kühleren Tag verbrachten wir im Mosel Museum, dass sich auf vier Etagen mit Weinbau an der Mose beschäftigte: Sehr klar, sehr fokussiert, aber gerade darum auch sehr spannend und in 1,5 Stunden gut machbar. Die ganzen Traktoren für den Weinbau rissen mich jetzt nicht vom Hocker, aber die alten Arbeitsgeräte, die Vorstellung, wie viel Handarbeit im Weinbau auch heute noch steckt und die durch eingerichtete Arbeitsstuben veranschaulichten Handgriffe haben mich ziemlich begeistert. Einen Film gab’s auch noch, das freute das Jungvolk.
Ein Besuch in Cochem führte uns erstmal in ein Eiscafé, als Rettung vor einem der wenigen Regenschauer im ganzen Urlaub. K3 war fassungslos, anscheinend waren wir mit ihm noch nie „so richtig“ Eis essen, immer nur Kugeln in der Waffel. Er sollte sich drei Kugeln aussuchen und sagte immer nur: „Erdbeere“ (das nimmt er immer). Dass er wirklich drei Kugeln aussuchen durfte und die dann auch noch alle essen konnte, hat ihn leicht überfordert. Dann wanderten wir noch ein bisschen durch Cochem, klein aber fein, und spazierten natürlich auch hinauf zur Burg, wieder mit feinem Ausblick. Zum Abschluss blieben wir noch in der Senfmanufaktur Cochem, deren Schwestermanufaktur wir vor einigen Jahren schon in Köln besucht hatten und die uns da schon sehr gefallen hatte. Da haben wir erstmal ordentlich eingekauft.
Ansonsten waren wir viel am Campingplatz, badeten abwechselnd in der Mosel und im Pool und schlenderten immer mal wieder durch das Dörfchen, zu dem der Campingplatz gehörte. Eine Tour auf den Hausberg wollte ich mir nicht nehmen lassen, da ging ich dann an einem Vormittag mit den großen Jungs drauf, einen historischen Stadtrundgang machte ich mit dem Mann und den kleinen Jungs. Alles sehr geruhsam. An den meisten Abenden holten wir uns aus einem der Winzerläden vor Ort eine Flasche Wein: Die kennen ihre Camper und verkaufen den Weißwein direkt gekühlt. Wie schön, in Zeiten des Internets nur Flyer der Winzer mitnehmen zu müssen und sich nicht den Wagen mit Weinflaschen vollladen zu müssen… So probierten wir uns durch verschiedenen Weine und ich weiß jetzt ziemlich genau, was ich will. Die Bereitschaft 8,50€ für einen Wein zu zahlen steigt übrigens eklatant, wenn man vorher durch den entsprechenden Weinberg gewandert ist und immer nur dachte: Und das alles 8 Stunden am Stück mit einem Erntekorb auf dem Rücken?
Insgesamt war das ein super Einstieg in den Urlaub. Viel zu sehen, genug Bewegung (joggen war ich nur einmal, aber immerhin einmal ein paar Flusskilometer runtergelaufen), reichlich Fläche um austoben, nette Leute drum herum, Wein, natürlich. Alles ganz prima. Es war nicht überlaufen, auch nicht völlig ruhig, aber gut auszuhalten (zur Weinlese sieht das sicherlich anders aus) und ich kann mir gut vorstellen mal wiederzukommen, um den Moselsteig zu wandern.