Beinahe hätte ich mich gelangweilt
Heute wird als der Tag in die Geschichte eingehen, an dem ich mich beinahe gelangweilt hätte, K2 es aber durch selbstlosen Körpereinsatz zu verhindern wusste.
Aber der Reihe nach: Nach einem ganz normalen Vormittag mit einem kurzen Marktbesuch in den frühen Morgenstunden und einem halbwegs erfolgreichen Homeoffice in den nicht ganz so frühen Morgenstunden, plante ich eine verlängerte Mittagspause. Ich habe zwar kein Stundenkonto, erfasse meine Arbeitszeit aber freiwillig, weil es mir leichter fällt, auch mal Pause zu machen, wenn ich sehe, wie viele Stunden es in dieser Woche schon waren. Nachdem da gestern schon zehn Stunden zusammengekommen waren und ich meine theoretischen 40 Stunden auf sechs Tage aufteile, dachte ich, dass heute nach der Vormittagsarbeit durchaus eine längere Pause drin wäre. Dazu kommt, dass ich nach wie vor eine hartnäckige Erkältung habe und schon morgens merkte, dass kreatives Arbeiten nicht gut lief. Außer den Skype Cellounterricht für K2 einzuschalten hatte ich also für die nächsten Stunden nichts vor.
Lange Vorrede, kurzer Sinn, ich saß seit ein paar Minuten auf der Terrasse, legte die Beine hoch und überlegte, ob ich in einer Zeitschrift blättern sollte, als der Mann mit der Hiobsbotschaft kam: K2 hat das Bett zerstört.
Nun ist das im Grunde nicht die große Überraschung. Das Bett ist zehn Jahre alt, war mal unser Ehebett (noch als Hochbett), wurde dann für die Kinder abgesägt, damit es unter die Dachschräge passt und hatte bei der einen oder anderen Turnübung schon häufiger gelitten. Außerdem reden wir alle paar Wochen darüber, dass K1 und 2 dringend ein getrenntes Bett brauchen, weil sie sich in ihrem Doppelbett doch zu sehr gegenseitig wach halten. Aber immer wenn wir da Nägel mit Köpfen machen wollten, kamen beide mit Hundeblick: Bitte, bitte trennt uns nicht, wir benehmen uns auch gut und sind lieb miteinander, aber wir wollen sooo gern beieinander bleiben. Nun gut, was soll man da sagen. Also wurde der Umzug in neue Einzelbetten immer wieder vertagt.
Aber nun musste es sein, das alte Bett war nicht mehr zu retten. Glücklicherweise sind wir gut mit Betten ausgestattet: Einerseits haben wir gern genug Betten für viel Besuch, es wurde also nichts weggeschmissen, als wir herzogen und für uns selbst ein neues Ehebett bekamen. Außerdem wird es im Sommer unter dem Dach bei den Kindern häufig so heiß, dass wir als alternative immer den ausgebauten Spielekeller hatten, in dem noch ein altes Hochbett stand. Es ging also nicht darum ein neues Bett zu kaufen, sondern um einen Tausch. Wir machten einen Plan: Das alte Bett kommt raus, Sperrmüll wird angemeldet. Die 1,40er Matratze kommt nach nebenan ins Nähzimmer. Da kann sie als Gästematratze bleiben. Das Bett, dass dort steht ist eine selbstgebaute Notlösung um eine 1m Matratze herum. Diese Matratze kommt nach unten in den Spielekeller, das Bett wird demontiert und kommt auf den Sperrmüll. Aus dem Spielekeller kommt das Stockbett nach oben, das wir das neue Bett für K1 und 2 - denn getrennte Zimmer (ich würde das Nähzimmer ja aufgeben, wenn es sein muss) kommen für die beiden nicht in Frage. Also los. Erstes Bett abbauen, zweites Bett abbauen, beides auf die Terrasse, Sperrmüll in drei Wochen, aber es geht so. Großes Möbelrücken, selten war ich so dankbar, dass der Mann vor gar nicht so langer Zeit unter dem Kinderbett sauber gemacht hat, trotzdem eine große Staubsaugorgie und überall diese elenden Stickies. Das war echt der schlimmste Part. Das dritte Bett abzubauen, nach oben zu transportieren und wieder aufzubauen war danach ein Klacks.
Insgesamt dauerte das Ganze bis zu Abendessen, aber es ist wie immer mit diesen Dingen, die man schon so lange vor sich herschiebt: Wenn es dann fertig ist, war es nicht so schlimm und es ist so viel aufgeräumter, mehr Platz und ich hoffe es wird auch einen Effekt beim Einschlafen der beiden haben.
Nur den Cellounterricht, den haben wir über das ganze Chaos vergessen, aber der wird Freitag nachgeholt. Die Cellolehrerin bot auch gleich ein Bett an, als ich erzählte wie es dazu kam, dass wir sie vergessen haben. Aber da war das Thema schon durch.
Immerhin habe ich so nicht immerzu Nachrichten verfolgt und mich aufgeregt, sondern die neuen Bestimmungen einfach beim Abendessen durch den Mann zusammengefasst mitgeteilt bekommen. War wahrscheinlich die angenehmere Lösung.
Nun werde ich schauen, ob ich in meiner Zeitschrift weiterkomme und mich daran freuen, was wir geschafft haben (sogar ohne uns großartig zu streiten.) Wir sind schon ein gutes Team :)