Freitag, 2. Oktober 2020
so viel Arbeit, so viel Alltag
01.10.2020
Puh. Es ist im Moment wirklich viel. Gar nicht allein von der Menge der Arbeit, aber vom Anstrengungspotenzial her. Wenn ich früher vor allem inhaltlich geplant habe, bin ich jetzt nicht nur inhaltlich gefragt, sondern muss auch den Infektionsschutz planen und dann auch sicherstellen und ihn gegen alle Anfragen erklären und verteidigen (oder, noch beliebter, bei berechtigten Anfragen noch nachbessern).
Dazu kommen Mitarbeiter*innen, die aus gefährdungsgründen wegfallen, denen ich mit allem was ich habe versuche das schlechte Gewissen zu nehmen - gleichzeitig aber nach Alternativen suchen muss.
Und dann kam diese Woche eine sehr erfreuliche Sache dazu: Unsere Arbeit hat Modellcharakter für viele. Das heißt aber auch, dass ich immer wieder erklären muss: Wie macht ihr das? Was habt ihr beachtet? Können wir das so nachmachen?
Und dann im Hinterkopf immer die große Frage dazu: Was ist nötig, was ist nicht nötig? Ist Kirche wirklich systemrelevant?
Ich glaube schon. Ich glaube, dass der Bedarf nach religiöser Orientierung zur Zeit mindestens so groß ist, wie vor Corona. Ich glaube auch, dass die Notwendigkeit dabei nicht von Menschen beurteilt werden kann, die kirchendistanziert sind - denn für die sagt es sich leicht: Das ist doch nicht nötig.
Aber es gibt noch einen weiteren Grund, warum ich mir so viel Mühe gebe, Veranstaltungen möglich zu machen, selbst wenn sie nicht unbedingt der religiöse Besinnung dienen, sondern eher einen diakonischen Zweck haben. Ich glaube, dass wir als Kirche in der Verantwortung sind, sichere Räume zu schaffen, in denen man auf andere Menschen treffen kann, in denen man etwas erleben kann, was einem gut tut. Denn wir sind mit Corona auf einem langen Weg. Kurzfristig kann man sicherlich Zuhause bleiben. Aber langfristig brauchen wir die sozialen Kontakte, die Veranstaltungen, die uns Freude bereiten. Und wenn wir die Möglichkeit haben, dafür sichere Räume zu schaffen, dann sollten wir das als Kirchen tun - denn sonst, sind wir ehrlich, werden sich die Leute trotzdem treffen, vielleicht dann privat. Und wie das dann ausgeht, ohne jemanden, der kontrollieren kann und will, das Abstände eingehalten und gelüftet wird, sehen wir jetzt im ganzen Bundesgebiet bei den Infektionsherden "Familienfeier".
Also heißt es für ich: Weitermachen. Weiterplanen, Möglichkeiten ausloten, gut hinhören und Verantwortung übernehmen.
So, Ende des Worts zum Donnerstag.
Ansonsten herrschte hier heute Alltag, alles lief nach Plan, die Kinder waren ergänzend beim Zahnarzt. K1 muss zur Kieferorthopädin, das war aber eh schon klar, alle anderen müssen an bestimmten Stellen besser putzen, aber ansonsten ist alles gut.
Ein Highlight war noch der Abend: Der Mann klatschte mich an der Turnhalle ab, ich übernahm K1 und 4 und brachte K1 zum Klavier, er ging mit K3 zum Sport. Nach dem Sport schrieb mich die Leiterin an und schickte ein Foto: Ob wir wohl diese Jacke und Tasche vergessen hätten?
Ich antwortete sofort: Ja, kenne ich, hat der Mann wohl liegen lassen. Ich bin noch in der Nähe und hole sie ab.
Ich schrieb dem Mann kurz, was los wäre.
Jetzt wird es skurril: Er schwor Stein und Bein, dass er nichts vergessen hätte. Läge alles neben ihm.
Okay. Muss wohl eine Verwechslung sein, ich sagte der Trainerin wieder ab.
Es ließ mir aber keine Ruhe, ich leitete dem Mann das Foto weiter. Er: Oh, sieht wirklich ähnlich aus. Ist ja lustig. Aber ich habe nichts vergessen.
Okay. Wir fuhren nach Hause, Abendessen, aber ich war immer noch nicht zufrieden und fragte, wo denn K4s Jacke eigentlich sei.
Der Mann sagte: Hab ich dir doch gegeben. Beim Sport. Mit der Tasche zusammen.
Tja. Hatte er nicht. Hatte er in der Turnhalle liegen gelassen.
Es ging alles gut aus, er holte die Sachen abends noch ab, damit K4 heute auch eine Jacke anziehen kann - aber das war schon ein Peak auf dem Graphen der Verpeiltheit...
Wir nahmen's mit Humor, die Trainerin auch.

Abends dann endlich mal Zuhause, der Mann hatte einen Termin, so kam ich auch mal in den zweifelhaften Genuss des ins-Bett-Bringens. Ging aber alles gut.

Gegessen:
Joghurt, Pfirsich (das letzte mal, die sind nix mehr), Johannisbeeren
Gnocchi Topf
Salat, Brotreste, Stollenkonfekt